reflections

Ich will hier jetzt nicht rumjammern, dass mein Leben bis jetzt so schlimm war. Ich hatte eine glückliche Kindheit, hatte viele Freunde und Langeweile war bei mir eher selten. Das Thema Gewicht war aber schon immer in meinem Leben da. Ich war als Kind nicht übergewichtig, auch nicht wirklich pummelig. Aber auch nicht unbedingt schlank. Ich wurde auch ab und zu auf "Diät" gesetzt, was hieß: ein oder zwei Tage keine Süßigkeiten und ganz viel draußen spielen. Wenn man noch jung ist, kriegt man das auch ganz gut hin.

Dann kam ich aufs Gymnasium, außerdem heiratete meine Mutter wieder, als ich in der 5. Klasse war. Ich verstand mich nicht gut mit ihm. Wir zogen um, in einen anderen Stadtteil. ich kannte niemanden und somit blieb ich immer öfters zu Hause und versuchte mich selber zu beschäftigen. Meine Oma, bei der wir davor gewohnt hatten, sah ich nur noch einmal in der Woche. Ich hatte in meiner neuen Klasse einige Freunde gefunden. Nicht so viele, wie ich in der Grundschule hatte, aber immerhin. Die Situation zu Hause wurde immer schlimmer. Es gab bloß noch Streit. Meine Mutter hielt meistens zu meinem Stiefvater. Ein paar Jahre später zogen wir wieder um; in die Eigentumswohnung meines Stiefvaters. Wieder die gleiche Stadt, aber andere Gegend, in der ich wieder mal niemanden kannte. Zu der Zeit hatte ich auch falsche Freunde. Sie brachten mich zum Rauchen (sie brachten mich auf den Gedanken, geraucht hab ich selber), zum Schule schwänzen und sie nutzen mich nur aus. Meine Oma sah ich schon lange nicht mehr regelmäßig. Ich blieb nur noch zu Hause, mit meinen Freunden durfte ich nur Freitags was unternehmen. Taschengeld bekam ich auch keines mehr. In der Zeit fing ich an, oft tagelang nichts zu essen, oder wenn dann nur 1/2 Joghurt pro Tag. Ich nahm schnell ein paar Kilo ab, die ich aber ein paar Tage später auch wieder draufhatte, weil ich mich danach vollstopfte. Ich sehnte mich nach einem Freund, nach jemanden der mich liebt, so wie ich bin. Ich war ein paar mal verliebt und jedes Mal wurde ich verletzt. Es gab einen Jungen, den ich bei einer Party kennenlernte (ich weiß bis jetzt noch nicht, wie ich es geschafft habe, meine Mutter zu überreden, dass ich bei meiner Freudin "übernachten" durfte), wir lagen in seinem Bett un kuschelten un redeten. Fast kam es zu einem Kuss. Wir tauschten Nummern aus. Alles schien perfekt. Ein paar Tage später hatte ich mich mit ihm verabredet. Ich wartete 1 Stunde auf ihn, aber er kam nicht. Ich war am Boden zerstört. 

Irgendwann kam der Punkt, als ich es zu Hause nicht mehr aushielt. Ich zog zurück zu meiner Oma. Da ging es mir viel besser. Ich hatte mehr Freiheiten, konnte bei Freunden übernachten, oder Freunde bei mir. Eines Abends ging ich mit ein paar Freunden was trinken, als mein Schwarm später dazukam. Wir fingen an uns zu streiten. Und irgendwann schaute er mich an und sagte bloß "Schiebt den Wal zurück ins Meer" (nach dem Lied von den Toten Hosen).Ab diesem Zeitpunkt wusste ich, wenn man nicht dünn ist, wird man bloß hintergangen, nicht ernst genommen.

Ich nahm innerhalb von einem 3/4 Jahr fast 15 kg ab. Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, aber ich schaffte es. Dann lernte ich meinen jetzigen Freund kennen. Ich war überglücklich. Es war (und ist) die schönste Zeit in meinem Leben. Nach ein paar Monaten fing ich an die Pille zu nehmen, nahm dadurch aber nicht zu. Dann saß ich ca 6 Monate zu Hause rum. Hatte keine Schule mehr und keinen Ausbildungsplatz und musste an einer Maßnahme vom Arbeitsamt teilnehmen, die jedoch erst im November anfing. Ich fing also wieder an zu essen und nahm zu. Meinen Freund störte es nicht weiter. Ich versuchte jedoch abzunehmen - ohne Erfolg. Ich nahm immer weiter zu. Bis jetzt sind es 20 Kilo, die ich zugenommen habe. Ende 2009 fand ich heraus, dass er mich betrogen hatte. Nicht in echt, sondern übers Internet. Er hatte fast 1 1/2 Jahre Cybersex mit nem Mädel. Verziehen hab ich ihm bis heute nicht, aber ich wollte mich nicht trennen, weil ich ihn liebe. Bis jetzt klappt es relativ gut. Doch ich habe wieder gemerkt, dass ich abnehmen muss. Ich muss auf mich achten, dann wird er es auch tun.



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